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22.03.18 | Ortsgruppe Senden

Mit 10 an der Nadel und auf dem Strich

Teaser-Image Schicksale, die fassungslos machen – aber auch die Sicherheit geben, dass jeder Cent hilft!

Unentwegt drehen sie ihre Runden nur wenige Kilometer hinter der deutsch-tschechischen Grenze: deutsche Sextouristen auf der Suche nach ein wenig „Abwechslung". Das Objekt ihrer Begierde: Kinder, kaum älter als zehn Jahre, aber nicht selten schon drogenabhängig.

Ihre Eltern, meist selbst abhängig, bieten sie dort für den billigen Spaß der gewissenlosen Freier von der anderen Seite der Grenze an. Es sind Schicksale, die aus der schieren Not geboren sind: Die Arbeitslosigkeit in der Region ist hoch, die Armut himmelschreiend; Prostitution – die eigene oder die der Kinder – erscheint den Familien da oft als nächstliegender Ausweg.

 

Die Ortsgruppe Senden will hier nicht wegsehen. Die beiden Vorstandsmitglieder   Brigitte Röhlmann und Gregor Schmidt machten sich jetzt wieder auf den langen Weg nach Tschechien, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen von dem ganzen Ausmaß des Grauens. Schon seit Jahren kümmert sich der Sendener Zweig des Netzwerks gegen Kinderprostitution um die betroffenen Kinder und Frauen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Der Rote Keil unterstützt die Arbeit des Vereins KARO e.V. Dieser betreibt im tschechischen Cheb das Beratungs- und Schutzhaus „Marita P.", das für alle von körperlicher, sexueller und seelischer Gewalt betroffenen oder bedrohten Frauen und ihren Kindern unabhängig von Nationalität und Einkommen ein zumindest vorübergehendes Zuhause bieten soll. Durch diese Unterstützung soll ihnen der Sprung aus der Armuts- und Prostitutionsspirale ermöglicht werden.

 

Dem Verein ist es wichtig, engen Kontakt zu allen seinen Förderprojekten zu halten. Besuche wie die in Cheb dienen dazu, die Effizienz und die Notwendigkeit des Einsatzes der auch in Senden gesammelten Finanzmittel regelmäßig zu überprüfen. Durch die persönlichen Gespräche mit den Mitarbeitern und Betroffenen versucht man, die Situation vor Ort besser zu verstehen. Auch nach ihrer Rückkehr lässt die beiden Sendener das Elend, das sich ihren Augen bot, nicht los – von Kindern, die im Prostitutions- und Drogenmilieu aufwachsen. Schutz- und Rückzugsräume gibt es nicht. Die starke Vernachlässigung mündet in einem großen Bedarf an tragfähigen Beziehungen. Bewegt waren die Vorstandsmitglieder etwa vom Schicksal von „Michaela", deren erster Zuhälter die eigene Mutter war und der später mit KAROs Hilfe der Ausstieg gelang.

 

In der Beratungsstelle von KARO finden diese Kinder Schutz und einen sicheren „Hafen". Hier bieten sich ihnen Bewegungsangebote, Rückzugsecken und viele Spielmöglichkeiten. Besonders wichtig ist die persönliche Zuwendung, die die Kinder durch die Sozialarbeiterinnen erfahren. Regelmäßig finden auch für die Familien Termine statt mit der Ausgabe von Bedarfsartikeln und einer Suppenküche. Hier stehen die Kinder schon vor Ankunft der Mitarbeiterinnen und warten auf eine warme Mahlzeit. Auch an die Mütter wird gedacht: Sie erhalten Angebote und Beratung, um sie in ihren Kompetenzen zur Führung eines gewaltfreien und selbstständigen Lebens zu stärken.

 

Brigitte Röhlmann und Gregor Schmidt kehrten zurück mit der Überzeugung, dass jeder vom Roten Keil gespendete Cent tatsächlich bei den Betroffenen ankommt. Das Geld auch aus Senden hilft, die Situation der „Ghetto-Kinder" ein bisschen zu verbessern und einigen von ihnen einen Weg aus der Prostitution zu ermöglichen. Auf der Mitgliederversammlung der Ortsgruppe am 10. April 2018 um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Laurentius in Senden wollen sie näher von ihren Eindrücken berichten. Alle Interessierte sind herzlich dazu eingeladen.

 

Auf dem Bild: Miriam, Sozialarbeiterin bei Karo e.V. und Brigitte Röhlmann von roterkeil Senden e.V.