26.11.18 | Projekte

Loverboys in Dortmund

Teaser-Image Immer wieder trifft es Mädchen aus jeder Schicht der Gesellschaft: Sie verlieben sich in einen sogenannten Loverboy.

So auch Steffi aus Dortmund, die glücklicherweise auf Mitarbeiterinnen der Dortmunder Mitternachtsmission traf …

„Ein sehr wichtiger Bereich unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Prostitution ist die Präventionsarbeit an Schulen, durch die wir immer wieder auch Kontakt zu betroffenen Mädchen bekommen.

Innerhalb eines Workshops zum Thema Loverboys in einer Realschule in Dortmund fiel mir eine Schülerin namens Steffi auf. Sie verhielt sich sehr zurückhaltend und ich hatte den Eindruck, sie wollte nicht auffallen. Sie sagte den ganzen Workshop über nichts und wich meinem Blick aus.

Wie bei jedem Workshop hinterließ ich Flyer der Dortmunder Mitternachtsmission und auch Visitenkarten mit meiner Telefonnummer.

Ein paar Tage später bekam ich zu meiner Überraschung eine SMS von Steffi. Sie wollte sich in einem Café mit mir treffen und sagte, sie brauche Hilfe. Ich traf sie noch am selben Tag. Sie war sehr aufgeregt und wollte zunächst nicht sagen, worum es ihr ging. Ich habe ihr dann von meiner Arbeit erzählt und wie es anderen Mädchen ergangen ist. Und dass es viele Betroffene in solch einer Situation gibt, und dass sie es schaffen können, von einem Loverboy loszukommen.

Steffi fing an zu weinen und dann sprudelte es nur so aus ihr heraus. Sie erzählte mir, von ihrem Freund, der offensichtlich auch ein Loverboy ist. Sie erzählte von ihrer Angst, dass es aber nicht mehr so weiter gehen könne, sie sich aber auch nicht von dem Freund lösen könne. Vor dem Workshop war ihr gar nicht bewusst, dass dies auch anderen passiert, sie kannte den Begriff „Loverboy" auch nicht und wusste nicht, dass sie Hilfe bekommen könnte. Steffi fühlte sich in ihrer Situation allein und hilflos. 

Wir haben dann gemeinsam nach Lösungen gesucht. Sie hatte während ihrer Beziehung zu dem Freund den Kontakt zu ihren Eltern und Freunden im Streit abgebrochen und ist zu ihm gezogen, so dass sie keinerlei Unterstützung erwartete.

Ein paar Tage später nach dem Treffen im Café gelang es, den Kontakt zu den Eltern aufzunehmen, und wir haben zusammen ein klärendes Gespräch führen können. Die Eltern waren zunächst schockiert, jedoch auch glücklich, dass Steffi sich wieder bei ihnen gemeldet hat. Sie ist sofort wieder zu ihren Eltern zurückgezogen.

Mit meiner Unterstützung haben Steffi und ihre Eltern eine Strafanzeige gestellt.

Ihr „Freund" meldet sich immer wieder bei Steffi, übt Druck aus und bedroht die ganze Familie.

Steffi hat noch einen weiten Weg vor sich, um sich endgültig lösen zu können und den bevorstehenden Prozess durchzuhalten. Aber ich bin überzeugt, dass sie es schafft und dabei werde ich ihr zur Seite stehen."

Hanna Biskoping